Lernprojekte

Lernprojekt – Selbständiges Kochen auf der Gruppe

Im Rahmen eines Lernprojekts konnte ich meine Kochkompetenzen einbringen. Ich koche gerne und kann gesund sowie ausgewogen kochen, da ich eine Ernährungsberatung besuche und mich zusätzlich im Internet informiere. Eine Fachperson fragte mich deshalb, ob ich in anderen Kleinwohngruppen beim Kochen unterstützen und dabei teilweise Aufgaben einer Fachperson übernehmen möchte.

Am Vortag besprach ich mit den Bewohnerinnen und Bewohner das Menü. Ich druckte die Rezepte aus und erstellte gemeinsam mit ihnen eine Einkaufsliste. Am nächsten Tag gingen wir zu zweit einkaufen und kochten anschliessend zusammen für das Abendessen. Dabei zeigte sich, dass einige Bewohnerinnen und Bewohner sehr gerne Fleisch essen und deshalb von meinen Ideen für eine ausgewogene Mahlzeit weniger begeistert waren. Ein anderer Bewohner kann nicht lesen und hat Mühe mit Zahlen, weshalb er viel Unterstützung benötigte. Dadurch brauchten wir gemeinsam mehr Zeit für die Vorbereitung und das Kochen.

Von den Fachpersonen erhielt ich sehr gutes Feedback zu meinem Einsatz. Ich würde diese Aufgabe gerne weiterführen, da es mir grosse Freude bereitet, mein Kochwissen weiterzugeben und andere zu unterstützen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass die Bewohnerinnen und Bewohner selbst auf mich zukommen und meine Unterstützung wünschen. Einige Bewohnerinnen in den Frauen-Wohngruppen möchten jedoch lieber für sich bleiben, was ich respektiere.

Douglas Gloor
Bewohner Müllerhaus


Chef vom internen Lädeli

Als mich eine Fachperson fragte, ob ich im Rahmen eines Lernprojekts das interne «Lädeli» für Haushaltsartikel führen möchte, habe ich sofort zugesagt. Die Idee hat mich überzeugt: Es reizt mich, Neues auszuprobieren und Verantwortung zu übernehmen.

Bisher waren die Haushaltsartikel in einem Kellerraum gelagert. Wenn in einer Wohngruppe etwas ersetzt werden musste, gingen die Bewohnerinnen und Bewohner mit einer Fachperson in den Keller und holten den benötigten Artikel. Mit der Übernahme des Lädelis hat sich dieses Vorgehen verändert. Ich habe feste Öffnungszeiten eingeführt und bin während diesen Ansprechperson für die Bewohnerinnen und Bewohner. Wenn nötig, unterstütze ich sie – etwa indem ich Artikel aus höheren Regalen hole oder beim Zählen und Berechnen helfe.

Zu Beginn begegneten mir einige Bewohnerinnen und Bewohner mit Skepsis. Das konnte ich gut nachvollziehen, denn neue Abläufe brauchen Vertrauen. Ich habe versucht, mich auf die einzelnen Personen einzustellen und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Mit der Zeit sind die Begegnungen offener geworden, und es entstand eine zunehmend selbstverständliche Zusammenarbeit.

Aufgrund meiner Erfahrungen habe ich das Angebot weiterentwickelt. Heute ist das Lädeli zweimal pro Woche geöffnet, was den Bewohnerinnen und Bewohnern mehr Flexibilität bietet und die Nutzung besser verteilt. Am Freitagmorgen prüfe ich zudem, welche Haushaltsartikel nachgekauft werden müssen. Für diese Einkäufe erhalte ich von der Fachperson das entsprechende Budget und erledige sie selbständig.

Die Aufgabe gibt mir Struktur und das Gefühl, gebraucht zu werden. Sie unterstützt mich in meiner Tagesgestaltung und fördert meine sozialen Kontakte. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass solche Lernprojekte die Gemeinschaft im Müllerhaus stärken: Wir rücken näher zusammen, es entsteht mehr Miteinander und weniger Nebeneinander.

Ich halte es für wichtig, diese Projekte weiterzuführen. Sie ermöglichen es, individuelle Stärken der Bewohnerinnen und Bewohner sichtbar zu machen und zu nutzen. Dadurch entstehen neue Formen der Vernetzung im Alltag. Auch besondere Interessen einzelner Bewohnerinnen und Bewohnern können so als Ressourcen für die Gemeinschaft wirksam werden.

Patrick Dübendorfer
Bewohner Müllerhaus

«Teerunde» in der Tagesstätte

Im Rahmen eines Workshops Lernprojekte haben wir uns damit beschäftigt, Räume und Angebote zu schaffen, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagesstätte Teilhabe und Mitgestaltung erleben können. Ziel war es, neue Möglichkeiten der Beteiligung zu eröffnen. Gleichzeitig haben wir uns mit dem Thema der Zugänglichkeit verschiedener Angebote, auch im Zusammenhang mit autonomer Selbstbestimmung, befasst. So dürfen alle, die wollen, mitmachen, dabei sein, helfen, organisieren und auch wieder gehen, wann sie das möchten.

Früher gab es bereits einen Zvieri-Treff, dieser war jedoch nicht für alle zugänglich. Deshalb entschieden wir uns, eine tägliche «Teerunde» einzuführen, an der alle Besucherinnen und Besucher der Tagesstätte teilnehmen können. Die Organisation dieser Runde liegt vollständig in der Verantwortung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst. Sie übernehmen sämtliche Aufgaben von A bis Z und erhalten bei Bedarf Unterstützung durch eine Fachperson: Sie laden andere Besucherinnen und Besucher der Tagesstätte ein, bereiten den Tee vor und gestalten den Raum entsprechend. Während der «Teerunde» ist bewusst keine Fachperson anwesend.

Ohne Fachperson entstehen andere Alltagsgespräche und Gruppendynamiken. Während der «Teerunde» befinde ich mich meist im Raum nebenan. Dabei höre ich, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutieren, lachen und miteinander «giggele». Es entsteht ein lebendiger Austausch, in dem verschiedene Rollen übernommen werden – ganz im Sinne eines lebhaften «Kaffeeklatschs». Gemeinsam werden Probleme gelöst, die der eine oder andere der Gruppe schildert, und es wird Anteil genommen.

Bemerkenswert ist, dass in den vergangenen Monaten kein einziges Mal interveniert werden musste, ganz unabhängig von der Gruppenkonstellation. Treten kleinere Konflikte auf, werden diese von den Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbständig gelöst. Es ist spannend zu beobachten, wie sich die Gruppendynamik entwickelt, zum Beispiel wenn Personen, die Schlüsselrollen innehaben, fehlen. Zunächst war die Atmosphäre sehr ruhig. Nach kurzer Zeit begannen jedoch andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer, diese Rollen zu übernehmen, sodass die «Teerunde» wieder genauso lebendig wurde wie sonst.

Für die Klientinnen und Klienten hat die «Teerunde» inzwischen einen hohen Stellenwert. Sie erleben dort Teilhabe, können Verantwortung übernehmen, sich gegenseitig beraten und neue Rollen ausprobieren. Mich persönlich berührt es sehr zu sehen, wie gut dieses Format funktioniert und wie selbstverständlich die Klientinnen und Klienten diese Möglichkeit nutzen und bei Bedarf auch wieder verlassen.

Mali Linsi
Fachperson Betreuung Tagesstätte

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